Der Sonntag ist seit einiger Zeit für meine Gedanken und mein Alltagsgeschwaffel reserviert. Letztens habe ich auf diversen Blogs gelesen, dass solche „philosophischen“ Artikel scheinbar ein Schuss ins eigene Bein sind. Ich muss sagen, dass ist mir so ziemlich egal. Denn ich gebe euch gerne einen Einblick in meinen Kopf, daher soll es heute einfach um Ballast gehen.
Als ich ein Kind war – um ehrlich zu sein ist es heute noch so – hat meine Mutter mich immer wieder gefragt ob man diverser Dinge wegwerfen oder auf den Dachboden (kennt ihr das Wort Bühne dafür?) legen kann. Ich habe immer vehement verneint und dabei energisch meinen Kopf geschüttelt. Das ich in Kuscheltieren förmlich versunken bin war mir dabei egal. Ich wollte sie einfach nicht aus meinem Zimmer lassen, vorallem nicht auf den Dachboden. Da ist ja schließlich kalt und dunkel. Stichwort: Toy Story. Ich hatte immer eine große Bindung zu meinen Sachen. Wenn ich in der Schule war räumte meine Mutter trotzdem immer einige Dinge weg mit denen ich einfach nicht mehr spielte. Gemerkt habe ich das oft erst Tage später und hatte damit offiziell kein Mitspracherecht mehr, weil Mama Recht hatte. Eine einfache Regel, sie sagt bis heute immer wieder zu mir, dass ich hin und wieder einfach etwas weggeben muss, weil diese Dinge sonst irgendwann mich besitzen. Ballast hat sie das immer genannt. Als Kind wollte ich davon natürlich nichts hören. Das ging zum rechten Ohr rein und zum Linken wieder hinaus.
Inzwischen denke ich darüber immer häufiger nach, vorallem da ich jetzt auch alleine lebe. Jedes überflüssige Teil muss schließlich beim Abstauben hochgehoben werden oder beim nächsten Umzug wieder eingepackt werden. Ich denke beim Einkaufen immer mehr darüber nach ob ich etwas wirklich brauche oder ob es eben nur Ballast wäre. Ich schätze diesen Rat von ihr heute sehr, sonst würde mich dieser Ballast den ich immer wieder mit mir im materiellen Sinne herumtrage wahrscheinlich ersticken und er würde mich besitzen.
Aber ich merke immer mehr wie ich diese Faustregel auch auf mein Privatleben anwenden kann, wer hätte gedacht, dass sich soviel sozialer Ballast anhäufen kann.Versteht mich nicht falsch ich habe meine Freunde sehr gerne und wechsel sie nicht bei der ersten Gelegenheit aus. Aber muss ich wirklich versuchen alle Leute aus meinem Abiturjahrgang in meiner Facebook Liste zu haben ? Nein definitiv nicht. Personen, die ich über die Dritten der Dritten kennengelernt habe oder die „Wir hatten mal Augenkontakt“-Leute sollten keinen großen Stellenwert in meinem Leben haben. Ich bin inzwischen viel wählerischer geworden bezüglich meinem sozialen Umfeld, denn das ist etwas was mich wirklich täglich beeinflusst. Aber auch eine Sache musste ich mir angewöhnen, eine Situation die ich glatt als schmerzhaft empfinden würde. Es kommt einfach der Punkt, da können aus guten Freunden, nur noch entfernte Freunde, Bekannte oder fast schon Fremde werden. Personen zu denen man sich mal so nah gefühlt hat und irgendwie wurde aus dieser Nähe nun doch irgendwie eine Fernstrecke. Man kommt aus dem Takt füreinander und irgendwie versteht man sich dann doch nicht mehr so gut. Das zu akzeptieren empfinde ich als so schwierig, aber ich denke jeder war schonmal in dieser Situation. Und eben dann wird aus einem Freund „Sozialer Ballast“, der einen nur runterzieht. Ich verschwende dann gerne mal zuviel Gedanken an die Vergangenheit, obwohl ich nach Vorne blicken sollte. Manchmal muss ich mich dann trauen, diesen Ballast los zulassen. Da war es definitiv einfacher zu akzeptieren, dass meine Kuscheltiere jetzt auf dem Dachboden leben.
Manche Risse lassen sich wieder kleistern, aber eine Vase die zerbrochen ist kann man dann doch einfach wegwerfen.



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10 Comments on "KW 48 | Das Leben ohne Ballast"
Sehr wahr, was du da schreibst … mir ist das heuer mit meiner (jetzt ehemals) besten Freundin passiert. Es ging komischerweise ganz schnell und ich denke, wir konnten bzw. können beide noch immer nicht genau sagen, was der Auslöser war bzw. woran es letztendlich lag. Natürlich hat es schon länger nicht mehr sooo gut gepasst, da wir auch nicht mehr in derselben Stadt leben. Und dann hab ich gemerkt, dass diese Freundschaft nicht von selber läuft und es irrsinnig schwer gewesen wäre (für uns beide), das so aufrechtzuerhalten. Wie auch immer … jedenfalls war diese “Trennung” für mich richtig schmerzhaft und ein wenig so, als würde eine Liebesbeziehung auseinandergehen - also in Bezug aufs Trennungsgefühl bezogen. Ich hoffe, das hört sich jetzt nicht zu schräg an 😀
LG, Anja
also, ich mag philosophische posts sehr gern!!! und ich finde es schön, dass du deine gedanken hier mit uns teilst!!
ich besitze auch sehr viel “ballast” bzw kann ich einfach nur schwer loslassen von dingen mit geschichte, erinnerungen, vergangenheit… ich hebe sehr gern erinnerungsstücke auf. eigentlich alles mögliche. meine wohnung ist nicht minimalistisch, sondern das gegenteil aber ich fühle mich so wohl mit meinem vielen klimbim, auch wenn es tage gibt, wo einen das viele zeug auch irgendwie belastet.
das mit dem entfremden von freunden kenne ich auch… das ist wirklich schwierig. irgendwie gewöhnt man sich daran, es ist dann aber seltsam, wenn man sich doch mal wieder sieht oder sich zum geburtstag gratuliert. so fremd und kühl. wo man doch früher mit so viel ehrlichkeit und liebe schöne worte füreinander übrig hatte, fühlt sich das nun so gezwungen an… wie aus höflichkeit. das ist unschön. man möchte vielleicht noch nicht ganz loslassen, immerhin hatte man ja tolle zeiten zusammen. aber wieder aufeinanderzugehen fällt auch schwer oder passt einfach nicht mehr ins leben.
es ist schon schwierig… aber ich bin froh, dass ich meine besten freunde nie aus den augen verlieren werde, auch wenn wir uns selten sehen - wir bleiben immer verbunden!
liebste grüße,
maze
Hey! Also ich finde diesen “menschlichen Ballast” (das klingt schrecklich) mittlerweile viel schlimmer, als bloße Anhäufung an Sachen (obwohl ich da bei meinem Umzug auch radikal aussortiert hab. Da muss man sich überwinden)
Ich hab gerne Leute in meiner Liste, die ich mag, auch wenn ich nicht täglich mit ihnen schreibe. Dazu gehören auch andere Blogger, mit denen man sich austauscht.
Aber den Kerl aus der Parallelklasse aus der 5. Klasse, den braucht man wirklich nicht in der Liste. Vor allem Menschen, die einem damals kaum “Hallo” sagten und einen jetzt anklicken… nein, das muss echt nicht sein.
Du bringst es auf dem Punkt 😀
Damals habe ich wirklich alles gesammelt, was mir unter die Arme fiel.
Auch als ich anfing zu bloggen, habe ich mich von allem fixiert lassen..gottseidank ist diese Phase jetzt vorbei nachdem ich alleine wohne (Gegenstände)
Bei Freunden war es genauso, damals hatte ich wirklich jeden in der Liste mit dem ich nur Augenkontakt habe. Mittlerweile miste ich regelmäßig aus, wenn man über Monate nichts mehr voneinander hört obwohl es eine Phase gab, an der man regelmäßig in Kontakt stand
Schöner Text! Er passt gerade einfach zu gut, auch ich habe mir in der letzten Zeit sehr viele Gedanken um Freundschaften gemacht. Welche es wert sind an ihnen festzuhalten und welche zu diesen Dritte über Dritte und wir hatten mal Kontakt- Bekanntschaften gehören. Süßer Gedanke mit deinen Kuscheltieren, die jetzt auf dem Dachboden leben
Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange
Toll hast du das geschrieben.
Ich finde nicht, dass sowas ein Schuss ins eigene Bein ist, es ist persönlich und menschlich und macht denjenigen doch sympathisch. Ich mag das.
Mütter haben immer Recht! Als ich jünger war habe ich alles, was meine sagte, in Frage gestellt und es abgetan mit “Die hat doch keine Ahnung!” aber immer öfter denke ich mittlerweile, dass Mütter gar nicht mal sooo sehr Unrecht haben wie man zu Pubertätszeiten immer denkt. Man wird hat älter und kriegt den Blick für das Wesentliche, das was im Jugendalter einfach noch nicht vorhanden sein kann.
Sozialen Balast – kenne ich. Zwar war es schon immer so, dass ich nicht unbedingt jeden in meiner Online-Freundesliste haben muss aber den zweiten Teil zu dem Thema habe ich leider selbst erst dieses Jahr erlebt: Mit einer guten Freundin von mir hatte ich eine verdammt tolle Zeit aber leider ist diese Zeit vorbei. Und vorher ist mir das mit einer anderen Freundin auch schon mal passiert. Man entwickelt sich halt weiter und manchmal eben in ganz verschiedene Richtungen. Anfangs habe ich das auch nicht ganz verstanden und wahr haben wollen aber das muss man wohl einfach akzeptieren und die guten Zeiten in Erinnerung behalten.
Ich freue mich darauf mehr solcher Dinge von dir zu lesen!
(Zuerst dachte ich gerade, dass hinter dem Posttitel ein Abnehm-Post oder so steht :D)
Ich kann dir nur zustimmen! Ich konnte mich früher nie von etwas trennen - egal wie lange es schon unbenutzt in einer Ecke von meinem überfüllten Kinderzimmer lag. Mittlerweile gehe ich fast schon rigoros vor, wenn ich ausmiste. Mittlerweile frage ich mich “Würde ich das vermissen? Nö! Weg damit!”
Bei Freundschaften finde ich das schon viel schwieriger. Aber ich merke langsam, dass manche “Freundschaften” einem nicht gut tun. Wenn man zum Beispiel merkt, dass die andere Person eher neidet als sich für einen zu freuen. Oder wenn man generell merkt, dass hinter der netten Fassade manchmal ein ganz schön hinterhältiger Mensch steckt. Ich kündige solchen Leuten zwar nicht die Freundschaft, aber ich schenke ihnen einfach nicht mehr viel meiner Zeit / Aufmerksamkeit. Und merke, dass es mir besser geht, wenn ich nicht mehr so viel darüber nachdenke.
Wahre Worte, die du da sprichst. Ich finde das nicht schlimm oder “schädlich” solche Gedanken Posts zu schreiben. Ich finde das sogar wichtig, weil die Dinge einen doch beschäftigen, und man es einfach loswerden muss ich freue mich immer auf deine Sonntags-Gedanken
Allerliebst
Mona
Das hast du sehr schön auf den Punkt gebracht.. Dieses “warum ist unsere Freundschaft auseinander gegangen?”-Gegrübel kann schon ziemlich belastend sein.. LG!
tolle Worte